Deutschland wird zur ETF-Nation
Was vor wenigen Jahren noch als Nischenprodukt für Finanznerds galt, ist 2026 im Mainstream angekommen: Der ETF-Sparplan. Eine aktuelle Studie zeigt, dass in Deutschland mittlerweile rund 20 Millionen ETF-Sparpläne existieren – fast jeder vierte Erwachsene investiert damit regelmäßig in börsengehandelte Indexfonds.
Zum Vergleich: 2021 waren es noch 4,9 Millionen Sparpläne. Das Anlagevolumen deutscher Privatanleger in ETFs hat sich auf etwa 350 Milliarden Euro vervierfacht. Die ETF-Revolution ist keine Zukunftsmusik mehr – sie passiert genau jetzt.
Warum der ETF-Boom gerade jetzt explodiert
Mehrere Faktoren treiben den Boom an:
1. Das Zinsdilemma
Die Realzinsen auf klassischen Sparkonten bleiben auch 2026 enttäuschend. Bei einer prognostizierten Inflation von 2,2 Prozent und Tagesgeldzinsen von maximal 3 Prozent bleibt nach Steuern kaum etwas übrig. Viele Sparer haben erkannt: Auf dem Sparbuch wird ihr Geld langsam entwertet.
2. Einfacher Zugang
Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder finanzen.net zero haben das Investieren demokratisiert. Wo früher Depotgebühren von 30 Euro aufwärts anfielen, gibt es heute kostenlose Depots. Sparpläne starten schon ab 1 Euro monatlich.
3. Finanzielle Bildung
Finanzinfluencer, Podcasts und unabhängige Ratgeber wie Finanztip haben das Wissen verbreitet: Langfristig schlägt kaum ein aktiv gemanagter Fonds den breiten Markt – und ETFs bilden genau diesen Markt ab, zu minimalen Kosten.
Die beliebtesten ETFs 2026
Nicht alle ETFs sind gleich. Diese Kategorien dominieren die Sparpläne der Deutschen:
| ETF-Typ | Beispiel-Index | Typische Kosten (TER) | Diversifikation |
|---|
| Welt-ETF | MSCI World | 0,12 – 0,20 % | ca. 1.500 Unternehmen |
| All-World-ETF | MSCI ACWI / FTSE All-World | 0,17 – 0,22 % | ca. 3.000 Unternehmen |
| Schwellenländer | MSCI Emerging Markets | 0,18 – 0,25 % | ca. 1.400 Unternehmen |
| Deutschland | DAX / MDAX | 0,08 – 0,15 % | 40 – 50 Unternehmen |
| Themen-ETFs | KI, Clean Energy, etc. | 0,35 – 0,65 % | 30 – 100 Unternehmen |
Der Klassiker bleibt der MSCI World ETF: Er enthält rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern und hat historisch etwa 7 bis 8 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet – trotz aller Krisen.
So startest du deinen ETF-Sparplan
Der Einstieg ist einfacher, als viele denken:
Schritt 1: Depot eröffnen
Wähle einen günstigen Broker. Die wichtigsten Kriterien:
- Depotführung: Sollte kostenlos sein
- Sparplan-Gebühren: Idealerweise 0 Euro
- ETF-Auswahl: Mindestens die großen Welt-ETFs
- Mindestsparrate: Je niedriger, desto flexibler
Schritt 2: ETF auswählen
Für Einsteiger empfehlen Experten einen einfachen Ansatz:
- Ein-ETF-Strategie: Ein MSCI World oder FTSE All-World ETF reicht für den Anfang völlig aus
- Thesaurierend oder ausschüttend: Thesaurierende ETFs reinvestieren Dividenden automatisch – optimal für den Vermögensaufbau
- Physisch replizierend: Der ETF kauft die echten Aktien, kein kompliziertes Konstrukt
Schritt 3: Sparrate festlegen
Die goldene Regel: Investiere nur Geld, das du langfristig nicht brauchst. Mindestens 3 bis 6 Monatsgehälter solltest du als Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto parken.
Eine beliebte Faustregel: 10 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens in den ETF-Sparplan. Aber auch 50 Euro im Monat sind ein guter Start.
Schritt 4: Durchhalten
Das ist der schwierigste Teil. Die Börse schwankt – manchmal heftig. 2022 verlor der MSCI World zeitweise über 20 Prozent. Wer damals verkauft hat, hat reale Verluste realisiert. Wer durchgehalten hat, steht heute deutlich im Plus.
Rechenbeispiel: Was aus 200 Euro monatlich wird
Angenommen, du investierst ab heute 200 Euro monatlich in einen Welt-ETF mit durchschnittlich 7 Prozent Rendite pro Jahr:
| Nach Jahren | Eingezahlt | Endwert | Gewinn |
|---|
| 10 | 24.000 € | ca. 34.600 € | +10.600 € |
| 20 | 48.000 € | ca. 104.000 € | +56.000 € |
| 30 | 72.000 € | ca. 243.000 € | +171.000 € |
Der Zinseszins-Effekt entfaltet seine volle Wirkung erst nach vielen Jahren. Deshalb gilt: Je früher du startest, desto besser.
Die häufigsten Fehler vermeiden
Auch beim ETF-Sparen kann man einiges falsch machen:
Fehler 1: Market Timing versuchen
Niemand kann die Börse vorhersagen – auch keine Experten. Studien zeigen: Wer versucht, den "perfekten" Einstiegspunkt zu finden, verpasst oft die besten Börsentage und schmälert seine Rendite.
Die Lösung: Regelmäßig investieren, egal was die Märkte machen. Der Sparplan kauft automatisch – mal teuer, mal günstig. Über die Zeit gleicht sich das aus (Cost-Average-Effekt).
Fehler 2: Zu oft ins Depot schauen
Tägliche Kursschwankungen von 1 bis 2 Prozent sind normal. Wer jeden Tag sein Depot checkt, wird nervös und trifft emotionale Entscheidungen.
Die Lösung: Maximal einmal im Monat reinschauen. Oder noch besser: Nur quartalsweise.
Fehler 3: Auf Hypes setzen
Themen-ETFs zu KI, Cannabis oder Wasserstoff klingen sexy, sind aber oft teuer und riskant. Viele Anleger kaufen nach starken Kursgewinnen – genau dann, wenn die Party vorbei ist.
Die Lösung: Der langweilige Welt-ETF als Basis. Maximal 10 Prozent des Portfolios für Satelliten-Investments.
Fehler 4: Kosten ignorieren
Ein ETF mit 0,50 Prozent Kosten klingt günstig. Aber über 30 Jahre summieren sich selbst kleine Unterschiede auf zehntausende Euro.
Die Lösung: Auf die TER (Total Expense Ratio) achten. Bei Welt-ETFs sind 0,20 Prozent oder weniger Standard.
Steuern nicht vergessen
ETF-Gewinne sind nicht steuerfrei. Das solltest du wissen:
- Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr sind steuerfrei (2.000 Euro bei Verheirateten)
- Abgeltungssteuer: Darüber hinaus werden 25 Prozent plus Soli fällig
- Vorabpauschale: Bei thesaurierenden ETFs wird jährlich eine fiktive Ausschüttung besteuert
- Teilfreistellung: Bei Aktien-ETFs sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei
Wichtig: Den Freistellungsauftrag beim Broker einrichten – sonst führt die Bank automatisch Steuern ab.
Was tun bei Börsencrash?
Die wichtigste Regel: Nichts. Historisch gesehen hat sich die Börse von jedem Crash erholt. Wer 2008 in der Finanzkrise verkauft hat, hat das anschließende Jahrzehnt der Erholung verpasst.
Ein Crash ist für langfristige Sparer sogar eine Chance: Der Sparplan kauft dann mehr Anteile zum günstigeren Preis.
Natürlich fühlt es sich schrecklich an, wenn das Portfolio um 30 Prozent einbricht. Aber genau dafür solltest du:
- Nur Geld investieren, das du 10+ Jahre nicht brauchst
- Einen Notgroschen auf dem Tagesgeld haben
- Dich mental auf Schwankungen vorbereiten
Fazit
Der ETF-Sparplan ist 2026 kein Geheimtipp mehr – er ist zum Standard für den langfristigen Vermögensaufbau geworden. Mit 20 Millionen Sparplänen haben die Deutschen endlich erkannt, dass man sein Geld nicht auf dem Sparbuch verrotten lassen muss.
Die wichtigsten Punkte:
- 20 Millionen ETF-Sparpläne in Deutschland – Rekord
- Welt-ETFs bieten breite Diversifikation zu minimalen Kosten
- Regelmäßig investieren schlägt Market Timing
- Je früher du startest, desto stärker wirkt der Zinseszins
- Durchhalten ist wichtiger als der perfekte Einstiegspunkt
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