Deine Krankenkasse wird teurer – und du zahlst einfach weiter?
Zum Jahreswechsel 2026 haben 33 gesetzliche Krankenkassen ihre Beiträge erhöht. Fast jede zweite Kasse verlangt jetzt mehr Geld – und die meisten Versicherten zahlen stillschweigend weiter. Dabei lohnt sich ein Wechsel so sehr wie selten zuvor: Die Spanne zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse beträgt mittlerweile über 2,2 Prozentpunkte. Je nach Einkommen sind das bis zu 771 Euro im Jahr, die du sparen kannst.
Trotzdem wechseln nur wenige. Laut einer Finanztip-Studie nutzen die meisten Versicherten ihr Sparpotenzial nicht – aus Bequemlichkeit, Unwissen oder der Angst vor Leistungseinbußen. Dabei sind die Leistungen bei fast allen Kassen zu 95 Prozent identisch.
Was sich 2026 bei den Beiträgen geändert hat
Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung besteht aus zwei Teilen:
| Beitragsteil | Satz 2026 |
|---|
| Allgemeiner Beitragssatz | 14,6 % (bei allen Kassen gleich) |
| Zusatzbeitrag (Durchschnitt) | 2,9 % (kassenindividuell) |
| Gesamtbeitrag (Durchschnitt) | 17,5 % |
Den allgemeinen Beitrag kannst du nicht beeinflussen – der ist gesetzlich festgelegt. Den Zusatzbeitrag aber schon, denn der variiert von Kasse zu Kasse erheblich.
Die größten Beitragserhöhungen 2026
| Krankenkasse | Zusatzbeitrag 2025 | Zusatzbeitrag 2026 | Erhöhung |
|---|
| energie-BKK | 2,98 % | 3,98 % | +1,00 Pp. |
| BKK WERRA-MEISSNER | 3,39 % | 4,35 % | +0,96 Pp. |
| BKK ProVita | 2,89 % | 3,79 % | +0,90 Pp. |
| BERGISCHE Krankenkasse | 2,95 % | 3,79 % | +0,84 Pp. |
| Heimat Krankenkasse | 3,10 % | 3,90 % | +0,80 Pp. |
Bei einer Erhöhung um einen vollen Prozentpunkt zahlst du bei einem Bruttoeinkommen von 4.000 Euro monatlich 20 Euro mehr im Monat – das sind 240 Euro im Jahr, die einfach so verschwinden.
Die günstigsten und teuersten Kassen im Vergleich
| Kategorie | Krankenkasse | Zusatzbeitrag 2026 |
|---|
| Günstigste | BKK firmus | 2,18 % |
| Günstig | hkk | 2,28 % |
| Durchschnitt | – | ~2,90 % |
| Teuer | BKK Herkules | 4,39 % |
| Teuerste | BKK24 | 4,39 % |
Die Differenz zwischen der günstigsten und teuersten Kasse liegt bei 2,21 Prozentpunkten. Bei einem Durchschnittsverdiener ist das ein Unterschied von mehreren Hundert Euro im Jahr.
Rechenbeispiel: So viel sparst du durch einen Wechsel
Die Formel ist einfach: Ersparnis = Bruttoeinkommen × Differenz der Zusatzbeiträge ÷ 2. Du trägst als Arbeitnehmer nur die Hälfte des Zusatzbeitrags – die andere Hälfte zahlt dein Arbeitgeber.
Wechsel von einer teuren Kasse (4,0 %) zur BKK firmus (2,18 %)
| Bruttojahreseinkommen | Jährliche Ersparnis (Arbeitnehmeranteil) |
|---|
| 30.000 € | ca. 273 € |
| 45.000 € | ca. 410 € |
| 55.000 € | ca. 500 € |
| 69.750 € (Beitragsbemessungsgrenze) | ca. 634 € |
Wechsel von der teuersten (4,39 %) zur günstigsten Kasse (2,18 %)
| Bruttojahreseinkommen | Jährliche Ersparnis (Arbeitnehmeranteil) |
|---|
| 30.000 € | ca. 332 € |
| 45.000 € | ca. 497 € |
| 55.000 € | ca. 607 € |
| 69.750 € (Beitragsbemessungsgrenze) | ca. 771 € |
771 Euro im Jahr – nur durch einen Kassenwechsel. Und das Beste: Dein Arbeitgeber spart genauso viel, denn auch sein Anteil sinkt.
Aber sind günstige Kassen schlechter?
Das ist der größte Irrtum beim Thema Krankenkasse. Die gesetzlichen Leistungen sind bei allen Kassen identisch – das ist im Sozialgesetzbuch festgeschrieben. Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Medikamente, Vorsorgeuntersuchungen: All das ist überall gleich.
Die Unterschiede liegen bei den Zusatzleistungen, zum Beispiel:
- Zuschüsse für professionelle Zahnreinigung
- Osteopathie-Behandlungen
- Reiseimpfungen
- Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten
- Wahltarife und Gesundheitskurse
Viele günstige Kassen wie die hkk oder BKK firmus bieten dennoch attraktive Zusatzleistungen an. Es lohnt sich, genau hinzuschauen – aber der Preis allein ist kein Indikator für schlechtere Versorgung.
So wechselst du deine Krankenkasse – Schritt für Schritt
Schritt 1: Sonderkündigungsrecht prüfen
Wenn deine Kasse den Zusatzbeitrag zum 1. Januar 2026 erhöht hat, hast du ein Sonderkündigungsrecht. Das bedeutet: Du kannst unabhängig von der regulären Bindungsfrist sofort wechseln. Die Kündigung muss bis zum Ende des Monats eingehen, in dem der neue Beitrag erstmals erhoben wird.
Schritt 2: Neue Kasse auswählen
Vergleiche Zusatzbeiträge und Zusatzleistungen. Achte auf:
- Zusatzbeitrag: Je niedriger, desto günstiger
- Zusatzleistungen: Welche Services sind dir wichtig?
- Erreichbarkeit: Gibt es Geschäftsstellen in deiner Nähe?
- Digitale Services: App, Online-Geschäftsstelle, ePA-Unterstützung
Schritt 3: Bei der neuen Kasse anmelden
Du meldest dich direkt bei der neuen Kasse an – meist geht das online in wenigen Minuten. Die neue Kasse übernimmt dann die Kündigung bei deiner alten Kasse. Du musst dich um nichts weiter kümmern.
Schritt 4: Arbeitgeber informieren
Teile deinem Arbeitgeber die neue Kassenzugehörigkeit mit. Er passt dann die Lohnabrechnung an.
Schritt 5: Freistellungsauftrag prüfen
Falls du bei deiner alten Kasse einen Wahltarif hattest, prüfe die Kündigungsfristen. Manche Wahltarife haben eigene Bindungsfristen.
Warum wechseln so wenige?
Obwohl das Sparpotenzial enorm ist, wechselt nur ein kleiner Bruchteil der Versicherten seine Kasse. Die häufigsten Gründe:
Bequemlichkeit
Der häufigste Grund. Die meisten Menschen sind seit Jahren bei derselben Kasse und scheuen den vermeintlichen Aufwand. Dabei dauert ein Wechsel keine 15 Minuten.
Angst vor Leistungseinbußen
Unbegründet. Die gesetzlichen Leistungen sind überall gleich. Wer wechselt, bekommt dieselbe medizinische Versorgung.
Unwissen
Viele wissen gar nicht, dass die Beiträge so stark variieren. Wer nie vergleicht, zahlt jahrelang zu viel.
Was du mit dem gesparten Geld machen kannst
Nehmen wir an, du sparst durch den Kassenwechsel 300 Euro im Jahr. Das klingt nach wenig? Nicht, wenn du das Geld investierst:
| Sparrate | Laufzeit | Rendite (7 % p.a.) | Endwert |
|---|
| 25 €/Monat | 10 Jahre | 7 % | ca. 4.300 € |
| 25 €/Monat | 20 Jahre | 7 % | ca. 13.000 € |
| 25 €/Monat | 30 Jahre | 7 % | ca. 30.000 € |
30.000 Euro – nur weil du einmal 15 Minuten in einen Kassenwechsel investiert hast. Das ist wohl die beste Rendite, die du je erzielen wirst.
Was 2027 droht
Die Ausgaben der Krankenkassen steigen weiter: alternde Bevölkerung, teure Medikamente, steigende Personalkosten in Kliniken. Experten rechnen damit, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag bis 2027 auf über 3,5 Prozent steigen könnte.
Wer jetzt zu einer günstigen Kasse wechselt, ist besser aufgestellt – denn auch günstige Kassen erhöhen ihre Beiträge langsamer als der Durchschnitt.
Fazit
Die Krankenkassenbeiträge sind 2026 auf einem Rekordhoch angelangt. 33 Kassen haben erhöht, der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt bei 2,9 Prozent – mit Ausreißern bis 4,39 Prozent. Wer vergleicht und wechselt, kann bis zu 771 Euro im Jahr sparen, ohne auf eine einzige Leistung verzichten zu müssen.
Die wichtigsten Punkte:
- 33 Kassen haben den Zusatzbeitrag 2026 erhöht
- Die Spanne reicht von 2,18 % bis 4,39 %
- Bis zu 771 € Ersparnis pro Jahr durch einen Wechsel
- Gesetzliche Leistungen sind bei allen Kassen identisch
- Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung nutzen
- Der Wechsel dauert weniger als 15 Minuten
Du willst wissen, wie sich der Kassenwechsel auf dein Nettogehalt auswirkt? Nutze unseren Brutto-Netto-Rechner, um die Ersparnis direkt zu sehen. Und mit dem Sparrechner kannst du berechnen, was aus dem gesparten Geld wird, wenn du es monatlich investierst!