Der Zoll-Hammer trifft Europa
Was viele Anleger befürchtet haben, ist Realität geworden: US-Präsident Donald Trump hat am vergangenen Wochenende neue Strafzölle gegen die EU angekündigt. Ab dem 1. Februar 2026 gelten zunächst 10 Prozent auf europäische Importe – ab Juni sollen es sogar 25 Prozent werden.
Die Reaktion der Märkte kam prompt: Der DAX stürzte am Wochenende um rund 300 Punkte ab und kämpft nun mit der psychologisch wichtigen 25.000-Punkte-Marke. Exportorientierte deutsche Unternehmen wie Volkswagen, BMW und BASF verloren teilweise zweistellig.
Für Anleger stellt sich jetzt die Frage: Was bedeutet das für mein Depot – und sollte ich handeln?
Warum Trump die Zölle erhebt
Die offizielle Begründung klingt abenteuerlich: Trump verknüpft die Strafzölle mit dem Grönland-Konflikt und wirft Europa vor, die amerikanischen Interessen zu untergraben. Doch die wahren Motive liegen tiefer:
- Handelsdefizit: Die USA importieren deutlich mehr aus der EU als umgekehrt
- Industriepolitik: Trump will US-Unternehmen schützen und Produktion zurückholen
- Verhandlungstaktik: Zölle als Druckmittel für bessere Deals
Für deutsche Unternehmen ist das ein Problem. Deutschland exportiert jährlich Waren im Wert von über 150 Milliarden Euro in die USA – Autos, Maschinen, Chemieprodukte. All das wird nun teurer und weniger wettbewerbsfähig.
Welche Branchen am härtesten getroffen werden
Nicht alle Sektoren leiden gleich stark unter den Zöllen:
| Branche | Betroffenheit | Beispiel-Unternehmen |
|---|
| Automobil | Sehr hoch | VW, BMW, Mercedes, Porsche |
| Maschinenbau | Hoch | Siemens, KION, Dürr |
| Chemie | Hoch | BASF, Covestro, Lanxess |
| Pharma | Mittel | Bayer, Merck |
| Software/Tech | Gering | SAP, Infineon |
Autobauer im Visier
Deutsche Autobauer exportieren jährlich Fahrzeuge im Wert von rund 30 Milliarden Euro in die USA. Ein 25-Prozent-Zoll würde einen BMW 3er um etwa 15.000 Euro verteuern – ein massiver Wettbewerbsnachteil gegenüber US-Herstellern.
Allerdings produzieren VW, BMW und Mercedes auch in den USA. Diese lokale Produktion könnte einen Teil des Schadens abfedern.
Auswirkungen auf deinen MSCI World ETF
Die meisten deutschen Anleger sind über einen MSCI World ETF oder ähnliche Produkte investiert. Was bedeuten die Zölle für diese Anlage?
Die gute Nachricht
Der MSCI World besteht zu etwa 72 Prozent aus US-Aktien. Diese werden von den Zöllen nicht direkt getroffen – im Gegenteil: Viele US-Unternehmen könnten sogar profitieren, wenn europäische Konkurrenten geschwächt werden.
Die weniger gute Nachricht
Europäische Aktien machen nur etwa 15 Prozent des MSCI World aus, deutsche Aktien sogar nur rund 2 Prozent. Trotzdem spürst du die Turbulenzen:
- Erhöhte Volatilität: Die Unsicherheit sorgt für stärkere Kursschwankungen
- Rezessionsrisiko: Handelskriege bremsen das globale Wachstum
- Währungseffekte: Ein schwächerer Euro kann die Rendite beeinflussen
Analysten schätzen, dass die Zölle die Rendite eines MSCI-World-ETFs langfristig um etwa 0,15 Prozentpunkte pro Jahr schmälern könnten. Statt 6 Prozent also 5,85 Prozent – spürbar, aber kein Grund zur Panik.
Was du jetzt NICHT tun solltest
In turbulenten Zeiten machen viele Anleger teure Fehler. Diese solltest du vermeiden:
Fehler 1: Panikverkäufe
Der klassische Anfängerfehler. Wer bei fallenden Kursen verkauft, realisiert Verluste und verpasst die Erholung. Historisch gesehen hat sich der Markt von jedem Einbruch erholt – auch von Handelskriegen.
Fehler 2: All-in auf "sichere" Anlagen
Gold, Staatsanleihen oder Festgeld mögen sich sicherer anfühlen. Aber wer sein gesamtes Depot umschichtet, zahlt Transaktionskosten und verpasst potenzielle Kursgewinne, wenn sich die Lage beruhigt.
Fehler 3: Auf Nachrichten reagieren
Die Medien überschlagen sich mit Schlagzeilen. Aber jede Nachricht ist im Kurs bereits eingepreist, bevor du sie liest. Hektisches Handeln führt selten zu besseren Ergebnissen.
Was du stattdessen tun kannst
Es gibt durchaus sinnvolle Maßnahmen, um dein Portfolio widerstandsfähiger zu machen:
1. Diversifikation prüfen
Ein MSCI World mit 72 Prozent US-Anteil ist ein Klumpenrisiko. Alternativen:
- MSCI ACWI oder FTSE All-World: Enthält auch Schwellenländer
- Regionale Beimischung: Separate ETFs auf Europa, Asien oder Emerging Markets
- Equal Weight ETFs: Gleichgewichtung statt Marktkapitalisierung
2. Rebalancing nutzen
Wenn europäische Aktien fallen und US-Aktien steigen, verschiebt sich deine Gewichtung automatisch. Regelmäßiges Rebalancing sorgt dafür, dass du günstig nachkaufst und teuer verkaufst.
3. Sparplan fortsetzen
Gerade jetzt ist der Sparplan dein bester Freund. Du kaufst automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind – der Cost-Average-Effekt in Aktion.
4. Cash-Reserve aufbauen
Wer noch keine Notreserve hat, sollte jetzt 3 bis 6 Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto parken. Das schützt vor Zwangsverkäufen bei persönlichen Engpässen.
Gewinner der Zoll-Krise
Nicht alle Aktien leiden unter den Zöllen. Einige Sektoren könnten sogar profitieren:
Rüstung und Verteidigung
Trumps NATO-Kritik zwingt Europa zu höheren Verteidigungsausgaben. Rheinmetall, Hensoldt und andere Rüstungswerte haben seit der Ankündigung zugelegt.
US-fokussierte Unternehmen
Firmen, die primär im US-Markt agieren, sind von EU-Zöllen nicht betroffen. Das gilt für viele Tech-Giganten wie Apple, Microsoft oder Alphabet.
Gold und Rohstoffe
In unsicheren Zeiten steigt die Nachfrage nach Gold. Experten sehen Potenzial bis 5.000 Dollar pro Unze – getrieben von geopolitischer Unsicherheit und Zentralbankkäufen.
Was die Experten sagen
Die Meinungen der Analysten gehen auseinander:
"Für 2026 rechnen wir mit mehreren Phasen erhöhter Volatilität. Die Handelsverhandlungen werden im Frühjahr wieder aufgenommen."
— Morningstar
"Deutschland ist das Land, das am meisten profitieren würde, wenn die Konflikte beigelegt werden."
— Prof. Hartmut Walz
"Anleger mit langfristigem Horizont sollten die Nerven behalten. Diversifikation bleibt der beste Schutz."
— BNP Paribas Asset Management
Historischer Vergleich: Was wir von 2018 lernen können
Trumps erste Amtszeit brachte bereits einen Handelskrieg mit China. Was ist damals passiert?
| Phase | Ereignis | MSCI World Reaktion |
|---|
| März 2018 | Erste Zoll-Ankündigung | -3,5% in einer Woche |
| Q4 2018 | Eskalation | -13,5% im Quartal |
| 2019 | Teileinigung | +24% Jahresrendite |
| 2020-2024 | Langfristig | Neue Höchststände |
Die Lehre: Kurzfristig können Zölle für heftige Einbrüche sorgen. Langfristig erholen sich die Märkte – vor allem, wenn Anleger die Ruhe bewahren.
Fazit
Die Trump-Zölle sind ein Schock für die Märkte – aber kein Grund zur Panik. Wer breit diversifiziert, langfristig denkt und seinen Sparplan fortsetzt, wird auch diese Krise überstehen.
Die wichtigsten Punkte:
- Ab Februar 2026 gelten 10%, ab Juni 25% Zölle auf EU-Importe
- Deutsche Autobauer, Maschinenbau und Chemie sind am stärksten betroffen
- MSCI World ETFs verlieren etwa 0,15% Rendite pro Jahr durch die Zölle
- Panikverkäufe sind der größte Fehler – Sparplan fortsetzen!
- Diversifikation und Rebalancing schützen vor Klumpenrisiken
- Historisch erholen sich Märkte von Handelskriegen
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