Was ist die Vorabpauschale?
Die Vorabpauschale ist eine jährliche Steuer auf thesaurierende Fonds und ETFs. Sie wurde 2018 eingeführt, damit der Staat nicht erst beim Verkauf an den Gewinnen beteiligt wird, sondern schon während der Haltedauer.
Die Idee dahinter: Wer einen ausschüttenden ETF besitzt, zahlt jedes Jahr Steuern auf die Dividenden. Wer einen thesaurierenden ETF hält, bei dem Dividenden automatisch reinvestiert werden, hätte ohne Vorabpauschale einen Steuervorteil. Die Vorabpauschale gleicht das aus.
Wie hoch ist die Vorabpauschale 2026?
Für die Vorabpauschale im Januar 2026 gilt der Basiszins von 2,53 Prozent (festgelegt für 2025). Daraus ergibt sich folgende Berechnung:
Formel
Basisertrag = Fondswert am Jahresanfang × Basiszins × 0,7
Bei Aktien-ETFs gilt zusätzlich eine Teilfreistellung von 30 Prozent – du zahlst also nur auf 70 Prozent des Basisertrags Steuern.
Beispielrechnung
Angenommen, dein ETF hatte am 1. Januar 2025 einen Wert von 50.000 Euro und ist bis zum 1. Januar 2026 auf 53.000 Euro gestiegen:
| Schritt | Berechnung | Ergebnis |
|---|
| Basisertrag | 50.000 € × 2,53% × 0,7 | 885,50 € |
| Wertzuwachs | 53.000 € − 50.000 € | 3.000 € |
| Vorabpauschale | Minimum aus beiden | 885,50 € |
| Nach Teilfreistellung (Aktien-ETF) | 885,50 € × 0,7 | 619,85 € |
| Abgeltungssteuer (26,375%) | 619,85 € × 0,26375 | 163,46 € |
In diesem Beispiel werden also 163,46 Euro vom Verrechnungskonto abgebucht.
Wichtig: Nur bei positivem Wertzuwachs
Hat dein ETF im vergangenen Jahr Verlust gemacht, fällt keine Vorabpauschale an. Die Steuer greift nur, wenn der Fonds tatsächlich im Plus liegt.
Wann wird die Vorabpauschale abgebucht?
Die Banken buchen die Steuer zwischen dem 13. und 19. Januar 2026 vom Verrechnungskonto ab. Der genaue Termin hängt vom jeweiligen Broker ab.
Falls nicht genügend Guthaben vorhanden ist, kann die Bank:
- Das Girokonto belasten (falls verknüpft)
- ETF-Anteile zwangsverkaufen
- Den Vorgang als fehlgeschlagen melden
Um Probleme zu vermeiden, solltest du rechtzeitig für ausreichend Deckung sorgen.
Wie viel Guthaben sollte auf dem Verrechnungskonto liegen?
Als Faustregel für Aktien-ETFs:
| Fondswert | Empfohlenes Guthaben |
|---|
| 10.000 € | ca. 36 € |
| 25.000 € | ca. 90 € |
| 50.000 € | ca. 180 € |
| 100.000 € | ca. 360 € |
Bei Mischfonds oder Anleihen-ETFs ist die Teilfreistellung geringer, daher solltest du mit etwa 51 Euro pro 10.000 Euro Fondswert rechnen.
Freistellungsauftrag nutzen
Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro für Ehepaare) gilt auch für die Vorabpauschale. Hast du einen Freistellungsauftrag bei deinem Broker eingerichtet, wird die Vorabpauschale zuerst dagegen verrechnet.
Rechenbeispiel mit Freistellungsauftrag
| Situation | Steuerlast |
|---|
| Vorabpauschale: 400 € | |
| Freistellungsauftrag: 1.000 € | |
| Zu versteuern: 0 € | 0 € Abbuchung |
| Situation | Steuerlast |
|---|
| Vorabpauschale: 1.200 € | |
| Freistellungsauftrag: 1.000 € | |
| Zu versteuern: 200 € | 52,75 € Abbuchung |
Wie viel Freistellungsauftrag pro ETF-Volumen?
Bei Aktien-ETFs reichen etwa 124 Euro Freistellungsauftrag pro 10.000 Euro Fondswert, um keine Steuer zahlen zu müssen. Bei einem ETF-Depot von 80.000 Euro wären das also knapp 1.000 Euro – genau der Sparerpauschbetrag für Singles.
Was passiert beim Verkauf?
Die gezahlte Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf des ETFs angerechnet. Du zahlst also nicht doppelt Steuern. Die Vorabpauschale ist im Grunde eine Vorauszahlung auf die spätere Kapitalertragssteuer.
Ausblick: Vorabpauschale 2027
Für die Vorabpauschale im Januar 2027 wurde der Basiszins auf 3,20 Prozent festgelegt. Das bedeutet: Die Steuerlast wird im kommenden Jahr spürbar höher ausfallen.
| Jahr | Basiszins | Steuer pro 10.000 € (Aktien-ETF) |
|---|
| 2024 | 2,29% | ca. 30 € |
| 2025 | 2,53% | ca. 36 € |
| 2026 | 3,20% | ca. 45 € |
Checkliste für Januar 2026
- Verrechnungskonto prüfen: Genügend Guthaben für die Abbuchung?
- Freistellungsauftrag kontrollieren: Ist er korrekt eingerichtet und ausreichend hoch?
- Steuerbelege aufheben: Die Abbuchung erscheint in der Jahressteuerbescheinigung
- Für 2027 vorplanen: Höherer Basiszins bedeutet höhere Vorabpauschale
Fazit
Die Vorabpauschale ist kein Grund zur Sorge, aber du solltest vorbereitet sein. Wer einen Freistellungsauftrag eingerichtet hat und für ausreichend Guthaben auf dem Verrechnungskonto sorgt, erlebt Mitte Januar keine unangenehmen Überraschungen.
Die wichtigsten Punkte:
- Basiszins 2025 beträgt 2,53% – relevant für die Abbuchung im Januar 2026
- Bei Aktien-ETFs etwa 36 Euro Steuer pro 10.000 Euro Fondswert
- Abbuchung erfolgt zwischen dem 13. und 19. Januar
- Freistellungsauftrag mindert die Steuerlast
- Gezahlte Vorabpauschale wird beim Verkauf angerechnet
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